Custos Aeris: Neue Auswertungen zum vorbeugenden Schutz der historischen Bleiverglasung (Teil 2)

Teil 2: Rückführung auf Schadenbilder


Unterhalb von 0 Grad Celsius sind die Gläser im Frostbereich. Bei der Kunstverglasung führt dies zur Austrocknung, Versprödung und Schrumpfung der Gelschicht /Hör 06/. 

Oberhalb von 40 Grad Celsius findet Austrocknung der Gelschicht, Schäden an den Festig-ungsmitteln und Schädigung von Paraloid B72 statt. Darüber hinaus wird die Glaskorrosion bei hoher relativer Luftfeuchte exponentiell gefördert mit einer Verdopplung der Rate pro 10 Grad  Temperaturerhöhung /Hör 06/. 

Unterhalb von 40% relativer Feuchte wird die Gelschicht durch Austrocknung, Versprödung und Schrumpfung geschädigt /Hör 06/. 

Oberhalb von 60% relativer Feuchte ist bereits ein ausreichender Feuchtfilm für Korrosion potentiell vorhanden /Hör 2016/. Oberhalb von 75% relativer Feuchte findet ein exponentieller Anstieg der Glaskorrosion statt /Garrecht 2010 und DBU-Projekt Mühlhausen/. Außerdem steigt die Gefahr der Schimmelbildung /Schumacher 2010/.

In den folgenden Diagrammen ist dargestellt, über wieviele Stunden das System sich im optimalen Bereich und wieviele Stunden pro Messperiode das System sich in einer der oben definierten Risikozonen befand:


Die historische Kunst-/Bleiverglasung ist 8000 Stunden lang zu feuchter Luft ausgesetzt und nur 5000 Stunden lang im optimalen Bereich. Sie befindet sich daher im exponentiellen Bereich der Glaskorrosion und es kann Schimmel auftreten.



Im Kircheninneren ist die Situation viel besser und es bestehen kaum Risiken für Korrosion und Schimmel. 

Die Schutzverglasung  ist  ebenfalls ca. 8000 Stunden der zu feuchten Luft ausgesetzt. Dies ist aber nicht relevant für das Schadenbild der historisch wertvollen Bleiverglasung.



Referenzen:
Garrecht, H., Hahn, O. & Kappes, K. e., 2010. Modellversuch zur Spalttemperierung an der Divi Blasii Kirche in Mühlhausen, Deutschland, s.l.: s.n.
Hör, M. u. F. A. e., 2016. Möglichkeiten einer Klimastabilisierung für durch anthropogene Umwelteinflüsse geschädigte Glasmalereibestände am Beispiel von St. Sebald in Nürnberg, Nürnberg: St. Sebald, Nürnberg.
Hör, M. u. S. J., 2006. Bauphysikalische Untersuchungen zur Gefährdung des Glasmalereibestandes in der Nürnberger Sebalduskirche, Möglichkeiten und Grenzen der Wirksamkeit von Außenschutzverglasungen, Nürnberg: s.n.
Schumacher, C. M., 2010. Die Verglasungder Evangelischen St. Georgskapelle zu Fuhlenhagen, Koblenz: Büro Dr. Rauch.
Torge, M., 2011. Modellhafte Evaluierung von Restaurierungs- und Konservierungsmaßnahmen an historischen Glasmalereien mit starken Schäden durch anthropogene Einflüsse“, Berlin: Abschlußbericht DBU Az 27312-45.


Danksagung:
Diese Arbeiten sind eine eigene Fortsetzung des von der DBU geförderten und abgeschlossenen Projektes DBU Aktenzeichen 30751 „Entwicklung und modellhafte Anwendung eines neuwertigen Sensorsystems zur Überwachung der nachhaltigen Wirksamkeit von Schutzverglasungen für durch anthropogene Umwelteinflüsse gefährdete Glasmalereien am Beispiel der Wiesenkirche in Soest“. Wir bedanken uns an dieser Stelle nochmals für die Förderung des Projektes.

Ansprechpartner: 
Michael Robrecht, iXtronics GmbH, Paderborn
Hans Daams, Hajuveda Heritage, Monschau

Direktkontakt: 
hans.daams@hajuvda.solutions
michael.robrecht@ixtronics.com

Webadressen: 
https://www.hajuveda.solutions
https://ix.ixtronics.com/de/

Blog: 
https://custosaeris-d.blogspot.com


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