Custos Aeris: Neue Auswertungen zum vorbeugenden Schutz der historischen Kunst-/Bleiverglasung (Teil 1)


Überblick und Hintergrund der neuen Auswertungen



Oft werden bei konventionellen Mess-Systemen Daten über thermodynamische Messgrößen wie z.B. Lufttemperatur, Luftfeuchte, Glastemperatur und Taupunkttemperatur gewonnen und dargestellt. Die Interpretation der Datenreihen und Diagrammen obliegt dann dem Betrachter, der die Wirkung der thermodynamischen Größen auf mögliche Schadenmechanismen bei der historische wertvollen Kunst-/Bleiverglasung selbst beurteilen muss.

Hier gehen die neuen Auswertungen von Custos Aeris andere Wege. Aufgrund einer intensiven Literaturrecherche zu Schadenmechanismen und deren Auswirkungen auf die Malschichten konnten Beziehungen hergestellt werden zwischen den gemessenen thermodynamischen Größen und dem hierdurch entstehenden potentiellen Schadenbild. Wo immer möglich, wurden aus der Literatur Grenzwerte erarbeitet und in den Diagrammen eingearbeitet. Hierdurch ist ein ganzer Satz von Diagrammen entstanden, der inhaltlich auf folgende Themen eingeht:

  • Risikoanalyse mit Scatterdiagrammen
  • Diagramme zur Identifikation von potentiellen Schadenbildern
  • Analyse der Kondensatbildung
  • Original-Messdaten
Mit diesen Diagrammen ist eine frühe Erkennung potentieller Schäden möglich. Durch Einleitung von Gegenmaßnahmen liefern sie daher einen Beitrag zum vorbeugenden Schutz der historischen Kunst-/Bleiverglasung. Die gezeigten Diagramme stammen aus einer ununterbrochenen Messreihe vom 30.09.2018 bis zum 18.05.2020 aus einer Kathedrale.

Teil 1: Risikoanalyse mit Scatterdiagrammen

Das Ziel von Scatterdiagrammen ist die schnelle Erkennung von potentiellen Schäden an der historischen Kunst-/Bleiverglasung auf der Luftspaltseite und auf der Kircheninneren Seite.
Die gemessene relative Feuchte bezieht sich dabei einmal auf die Luft im Luftspalt und zum anderen auf die Luft in unmittelbarer Nähe zur Verglasung im Inneren der Kirche. Die Ordinate zeigt die jeweilige relative Feuchte und die Abszisse stellt die Oberflächentemperatur des Kunst-/Bleiglases dar. Innen eingezeichnet ist ein grüner Bereich, der die optimalen Bedingungen kennzeichnet. Alle Messpunkte der Kirche sollten in dem grünen Bereich sein. Diese Werte gehen unter anderem auf /Hör 2016/ zurück.


Die nächsten 2 Diagramme zeigen den Schnellüberblick für die Kunst-/Bleiverglasung auf beiden Seiten. Das darauffolgende Diagramm zeigt der Vollständigkeit halber die Verhältnisse für die Schutzverglasung:

Schnellüberblick über die Risikoverhältnisse am Kunstglas im Luftspalt

Schnellüberblick über die Risikoverhältnisse am Kunstglas auf der kircheninneren Seite


Schnellüberblick über die Verhältnisse am Schutzglas


Man sieht unmittelbar, dass die Kunst-/Bleiverglasung auf der Luftspaltseite hohen Risiken ausgesetzt ist. Im Kircheninneren sieht es deutlich besser aus. Die Wolke ist bei der Schutzverglasung etwas mehr aufgebläht, weil das Außenklima hier einen stärkeren Einfluss durch die Verglasung hindurch hat.

Im 2. Teil wird dann näher auf die Schadenbilder eingegangen.




Referenzen:
/Hör 2016/    Hör, Martha und Fritsch, Alexandra et.a., Möglichkeiten einer Klimastabilisierung für durch anthropogene Umwelteinflüsse geschädigte Glasmalereibestände am Beispiel von St. Sebald in Nürnberg, 2016

Direktkontakt:  michael.robrecht@ixtronics.com oder hans.daams@hajuveda.solutions

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